An Nord- und Ostsee wechseln sich kräftiger Wind, Sprühregen und Sonnenschein oft innerhalb weniger Minuten ab. Wer sich bei Bewegung nur mit einer dicken Jacke kleidet, schwitzt und friert im nächsten Windstoß. Das Zwiebelprinzip löst das Problem: Mehrere dünne Schichten übereinander lassen sich je nach Wetter und Aktivität an- oder ausziehen. So bleiben Sie trocken und warm, ohne zu überhitzen.
Das Zwiebelprinzip an der Küste
Das Zwiebelprinzip heißt konkret: Statt einer dicken Jacke tragen Sie zwei oder drei dünnere Schichten, die sich einzeln anpassen lassen. Die unterste Schicht liegt auf der Haut und hält sie trocken. Die mittlere Schicht speichert Wärme, etwa ein Fleece-Pullover oder eine dünne Wolljacke. Die oberste Schicht schützt vor Wind und Nässe. An der Küste ist dieser Aufbau besonders praktisch, weil sich das Wetter innerhalb einer Stunde ändern kann. Beim Gehen wird Ihnen schnell warm, dann ziehen Sie die mittlere Schicht aus. Sobald Sie stehen bleiben oder der Wind auffrischt, kommt sie wieder über die unterste Schicht. Eine dicke Jacke lässt sich dagegen nicht abstufen: Entweder sie ist zu warm oder zu dünn.
Die Basisschicht: Merinowolle oder Synthetik
Die unterste Schicht entscheidet darüber, ob Sie sich wohlfühlen. Sie soll Schweiß von der Haut weg nach außen transportieren, damit Sie nicht auskühlen. Dafür eignen sich Merinowolle oder Synthetikfasern wie Polyester. Beide Materialien nehmen wenig Wasser auf und trocknen schnell. Merinowolle hat den Vorteil, dass sie auch bei Feuchtigkeit noch wärmt und nicht unangenehm riecht. Synthetik ist oft günstiger und trocknet ebenfalls schnell. Baumwolle sollten Sie in dieser Schicht vermeiden. Sie saugt sich mit Schweiß voll, klebt auf der Haut und kühlt den Körper aus, sobald der Wind dazu kommt. Ein dünnes Langarmshirt aus Merinowolle oder ein Funktionsshirt aus Polyester reicht an der Küste meist aus, auch wenn die Temperaturen im Herbst oder Frühjahr niedrig sind.
Die äußere Schicht: Regenjacke mit Membran
Die oberste Schicht muss Wind und Sprühregen abhalten, aber sie darf Sie nicht ins Schwitzen bringen. Eine einfache Regenjacke aus beschichtetem Material, etwa mit Polyvinylchlorid (PVC) oder thermoplastischem Polyurethan (TPU), ist zwar zuverlässig wasserdicht, aber kaum atmungsaktiv. Bei Bewegung staut sich darunter die Feuchtigkeit, und Sie werden von innen nass. Besser geeignet sind Jacken mit einer mikroporösen Membran, also einer dünnen Schicht mit winzigen Poren. Diese Membran sitzt zwischen Innen- und Außenstoff und lässt Wasserdampf von innen nach außen entweichen, während Regen und Wind draußen bleiben. Solche Jacken werden als atmungsaktiv bezeichnet, auch wenn diese Atmungsaktivität Grenzen hat. Bei intensiver Bewegung, etwa beim Radfahren oder Wandern, kann nicht die gesamte Feuchtigkeit entweichen. Dann hilft es, die Jacke kurz zu öffnen oder eine Schicht darunter auszuziehen. Achten Sie beim Kauf auf verklebte Nähte und einen wasserabweisenden Reißverschluss, damit kein Wasser durch die Nähte dringt.
Was bei Sprühregen und Wind zählt
Neben dem Material entscheiden die Details über den Tragekomfort. Eine verstellbare Kapuze, die eng am Kopf anliegt, verhindert, dass Nässe in den Kragen läuft. Ärmelbündchen mit Gummizug oder Klettverschluss halten den Wind ab, der sonst durch die Ärmel zieht. Ein etwas längerer Schnitt schützt die Hüfte, wo viele Jacken zu kurz enden. Auch der Kragen sollte hoch genug sein, um den Nacken zu bedecken. Bei Sprühregen reicht oft eine wasserabweisende Jacke ohne Membran, wenn Sie nicht lange im Regen stehen. Entscheidend ist, dass die Jacke winddicht ist, denn der Wind kühlt den Körper stärker aus als die Nässe allein. Eine winddichte, aber nicht vollständig wasserdichte Jacke ist für kurze Schauer und trockene, windige Tage die leichtere Alternative.
Praktische Tipps für den Tagesausflug
Nehmen Sie immer eine zusätzliche Schicht mit, auch wenn der Himmel morgens klar ist. Ein dünner Fleece-Pullover oder eine Weste lässt sich klein zusammenrollen und im Rucksack verstauen. Ziehen Sie Schichten lieber früher aus, bevor Sie schwitzen, und ziehen Sie sie wieder an, sobald Sie stehen bleiben. Der Moment, in dem Sie nach einer Anstrengung Pause machen, ist der kritische Punkt: Der Körper kühlt schnell aus, wenn die Kleidung feucht ist. Wechseln Sie dann die Basisschicht, falls Sie stark geschwitzt haben, oder ziehen Sie die mittlere Schicht über das nasse Shirt. Für die Beine genügen an der Küste meist normale Hosen aus Baumwolle oder einer Mischung, solange sie nicht zu eng sitzen. Bei starkem Wind hilft eine dünne, winddichte Hose über der normalen Kleidung, etwa eine leichte Wanderhose mit Membran.