Ein plötzlicher Schauer kühlt den Körper aus, nasse Kleidung führt schnell zu Unwohlsein und im schlimmsten Fall zu Unterkühlung. Die richtige Regenjacke hält Sie trocken, ohne dass Sie darunter schwitzen. Ob sie für eine kurze Feierabendrunde oder mehrtägige Gebirgstouren taugt, entscheiden zwei Kennwerte: die Wassersäule und die Atmungsaktivität.
Was die Wassersäule bedeutet
Die Wassersäule gibt an, wie viel Wasserdruck ein Stoff aushält, bevor Wasser durchdringt. Gemessen wird sie in Millimetern, indem ein Schlauch mit Wasser gefüllt und auf den Stoff gestellt wird. Bei einem hohen Wert steht das Wasser entsprechend hoch, ohne dass es durch den Stoff läuft. Je höher der Wert, desto dichter ist die Jacke.
Für die Praxis gelten grobe Richtwerte. Eine Jacke mit niedriger Wassersäule schützt vor leichtem Regen und eignet sich für den Stadtalltag. Für Wanderungen in wechselhaftem Wetter empfehlen sich höhere Werte. Bei starkem Dauerregen oder Sturm, wie er in höheren Lagen vorkommt, sind sehr hohe Werte sinnvoll. Beachten Sie: Die Wassersäule nimmt mit der Zeit ab, wenn die Imprägnierung verschleißt. Eine Jacke, die anfangs eine hohe Wassersäule hat, kann nach einigen Wäschen und viel Reibung durch den Rucksackgurt nur noch halb so dicht sein.
Atmungsaktivität: Membran statt Beschichtung
Eine Regenjacke muss nicht nur dicht sein. Sie muss auch Feuchtigkeit von innen nach außen transportieren. Sonst sammelt sich Schweiß unter der Jacke, und Sie werden von innen nass. Hersteller geben die Atmungsaktivität mit zwei Werten an. Der MVTR-Wert (Moisture Vapor Transmission Rate) wird in Gramm pro Quadratmeter und Zeiteinheit angegeben, der RET-Wert (Resistance to Evaporative Heat Transfer) ist ein Maß für den Wärmedurchgangswiderstand. Je höher der MVTR-Wert, desto besser; je niedriger der RET-Wert, desto besser. Ein hoher MVTR-Wert gilt als gut für Wanderungen, sehr hohe Werte sind für anstrengende Touren geeignet.
Der Unterschied liegt im Aufbau des Materials: Eine Beschichtung wird auf die Innenseite des Stoffes aufgetragen. Sie ist günstig, nutzt sich aber mit der Zeit ab und reißt leicht ein. Eine Membran ist eine dünne, mikroporöse Schicht, die als eigenständige Lage verarbeitet wird. Sie bleibt länger funktionsfähig und bietet höhere Atmungsaktivität. Membranen wie Gore-Tex oder eigene Entwicklungen der Hersteller sind teurer, aber für regelmäßiges Wandern die bessere Wahl.
Hardshell und Softshell im Vergleich
Bei Wanderjacken haben Sie die Wahl zwischen zwei Grundtypen. Die Hardshell ist die klassische Regenjacke: wasserdicht, winddicht und mit Membran. Sie tragen die Hardshell über der normalen Kleidung; dort hält sie den Regen ab. Eine Hardshell ist dünn und leicht, nimmt wenig Platz im Rucksack ein und wird nur bei Regen oder Wind angezogen.
Die Softshelljacke ist ein Kompromiss. Sie ist weicher, elastischer und atmungsaktiver als eine Hardshell, aber nicht vollständig wasserdicht. Sie eignet sich für trockene, aber windige Tage oder als Zwischenschicht in der kalten Jahreszeit. Für eine Regenjacke im engeren Sinne ist die Hardshell die richtige Wahl; wenn Sie nur eine Jacke für alles kaufen möchten, nehmen Sie eine mit guter Atmungsaktivität und verzichten Sie auf die Softshell.
Packmaß und Gewicht
Beim Wandern zählt jedes Gramm im Rucksack, deshalb ist das Packmaß einer Regenjacke wichtig. Die meisten Hardshelljacken lassen sich in die eigene Tasche oder in einen kleinen Packsack verstauen und schrumpfen dann auf die Größe einer Getränkedose. Das ist praktisch für Tageswanderungen, bei denen die Jacke nur für den Notfall dabei ist. Bei Mehrtagestouren tragen Sie die Jacke öfter; dann zählt das Gewicht mehr als das Packmaß. Eine leichte Hardshell wiegt nur wenig. Eine robustere Variante für Bergtouren kann deutlich mehr wiegen. Entscheiden Sie nach der geplanten Tour. Für eine Feierabendrunde reicht die leichte, kleine Jacke; für lange Strecken mit Rucksack ist eine etwas schwerere, aber stabilere Konstruktion sinnvoll.
Belüftung und das Zwiebelprinzip
Die beste Membran stößt an ihre Grenzen, wenn Sie sich stark anstrengen, denn beim Aufstieg produziert der Körper mehr Schweiß, als die Jacke nach außen transportieren kann. Deshalb braucht eine gute Regenjacke Belüftungsmöglichkeiten. Unter den Achseln sitzen oft lange Reißverschlüsse, die Sie öffnen können, damit Wärme und Feuchtigkeit entweichen. Auch eine verstellbare Kapuze und ein Kordelzug am Saum helfen, die Jacke an das Wetter anzupassen, ohne sie auszuziehen.
Die Belüftung hilft nur zusammen mit der richtigen Kleidung darunter. Das Zwiebelprinzip hat sich dafür bewährt: Tragen Sie eine dünne Funktionsunterwäsche, die Feuchtigkeit von der Haut wegleitet. Darüber kommt eine isolierende Schicht wie Fleece oder eine leichte Daunenjacke, außen die Hardshell. Die Hardshell schützt vor Wind und Wasser, die Wärme kommt von den Schichten darunter. Wenn Sie nur ein Baumwollshirt unter der Jacke tragen, saugt es sich mit Schweiß voll und Sie kühlen aus, auch wenn die Jacke selbst trocken bleibt.
Pflege: Waschen und Imprägnieren
Eine Regenjacke verliert ihre wasserdichte Wirkung nicht durch Regen, sondern durch falsche Pflege. Die äußere Imprägnierung, die den Stoff wasserabweisend macht, nutzt sich durch Schmutz, Schweiß und häufiges Waschen ab. Waschen Sie die Jacke regelmäßig, damit die Membran nicht verstopft. Verwenden Sie ein mildes Waschmittel ohne Weichspüler, denn Weichspüler legt sich auf die Membran und verschlechtert die Atmungsaktivität. Waschen Sie die Jacke bei niedriger Temperatur, am besten im Schonwaschgang, und schleudern Sie sie nur leicht.
Nach dem Waschen sollten Sie die Jacke wieder imprägnieren. Dafür gibt es im Fachhandel Sprays oder Waschmittelzusätze. Sprühen Sie die Imprägnierung auf die noch feuchte Jacke und lassen Sie sie an der Luft trocknen. Wenn der Hersteller es erlaubt, können Sie die Jacke auch kurz in den Trockner geben, denn die Wärme reaktiviert die wasserabweisende Schicht. Prüfen Sie die Jacke regelmäßig, ob das Wasser noch abperlt oder ob es in den Stoff einzieht. Wenn die Jacke nass wird und die Oberfläche sich dunkel färbt, ist es Zeit für eine neue Imprägnierung. Eine gute Hardshell hält bei richtiger Pflege viele Jahre, aber die Imprägnierung nutzt sich ab und muss erneuert werden.