Die richtige Jacke für Klettern und Klettersteige

Beim Klettern und an Klettersteigen muss die Jacke mehr können als wärmen. Sie muss sich mitbewegen und Felskontakt aushalten. Am Gurt darf sie nicht scheuern.

Wer nur auf die Dicke der Füllung achtet, bekommt schnell eine Jacke, die beim Überkopfgreifen spannt oder an der Wand hängen bleibt. Entscheidend sind Schnitt, Länge und Material, nicht die Dicke der Füllung.

Warum Bewegungsfreiheit vor Wärme geht

Beim Klettern führen Sie die Arme ständig über den Kopf, drehen den Oberkörper und ziehen die Knie hoch. Eine Jacke, die an den Schultern eng sitzt oder im Rücken spannt, stört jede Bewegung. Sie kostet Kraft. In schwierigen Passagen kann das gefährlich werden, weil Sie sich nicht frei bewegen können. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Ärmel lang genug sind und der Schulterbereich genug Stoff bietet, um die Arme ohne Widerstand zu heben. Ein guter Test: Ziehen Sie die Jacke an und heben Sie beide Arme gerade nach oben. Die Ärmel sollten nicht an den Handgelenken hochrutschen, und der Saum sollte nicht über den Bauchnabel wandern.

Die richtige Länge und der passende Schnitt

Die Länge der Jacke entscheidet darüber, ob sie unter dem Klettergurt stört. Eine zu lange Jacke sammelt sich unter dem Gurt, bildet Druckstellen und kann beim Anseilen im Weg sein. Eine zu kurze Jacke lässt den unteren Rücken frei, was bei kaltem Wind unangenehm ist. Ideal ist eine Länge, die knapp über der Hüfte endet und auch mit angezogenem Gurt noch den unteren Rücken bedeckt, ohne dass Stoff unter dem Gurt hervorquillt. Der Schnitt sollte tailliert sein, aber nicht eng anliegen. Sie müssen darunter eine dünne Schicht und darüber bei Bedarf eine Regenjacke tragen können, ohne dass es zwängt. Achten Sie auf vorgeformte Ellenbogen, die die natürliche Armhaltung unterstützen, und auf einen beweglichen Rückenbereich, der beim Vorbeugen nicht hochrutscht.

Robustheit statt dicker Füllung

An Fels und Klettersteig reibt die Jacke an rauem Gestein, an Karabinern und an der Kette. Eine dünne, empfindliche Außenschicht reißt schnell ein, eine dicke Daunenjacke ist für diese Belastung ungeeignet. Wählen Sie ein Material, das Abrieb standhält, etwa ein dicht gewebtes Softshell oder ein robustes Hardshell. Softshell ist für die meisten Touren die bessere Wahl, weil es atmungsaktiv ist, etwas Feuchtigkeit abweist und sich elastisch an Bewegungen anpasst. Hardshell schützt besser vor Regen und Wind, ist aber steifer und weniger beweglich. Für den Klettersteig, wo Sie oft schwitzen und trotzdem Wind ausgesetzt sind, ist eine atmungsaktive Softshell mit wasserabweisender Beschichtung meist die praktischere Lösung. Verstärkte Schulter- und Ellenbogenpartien erhöhen die Lebensdauer, wenn Sie häufig mit dem Rucksack oder am Fels arbeiten.

Anprobe: So testen Sie die Jacke richtig

Probieren Sie die Jacke nicht im Stehen mit hängenden Armen an. Ziehen Sie sie mit der Kleidung an, die Sie auch auf der Tour tragen, also mit einer dünnen Funktionsunterwäsche und einem Fleece darunter. Machen Sie dann die Bewegungen, die beim Klettern vorkommen: Arme über den Kopf, Rumpf drehen, in die Hocke gehen. Der Stoff sollte überall nachgeben, ohne zu spannen. Setzen Sie sich einen Kletterhelm auf und prüfen Sie, ob die Kapuze unter dem Helm Platz findet oder ob sie stört. Wenn Sie einen Gurt dabeihaben, ziehen Sie ihn über der Jacke an und kontrollieren Sie, ob der Saum sauber unter dem Gurt liegt. Gehen Sie mit der Jacke ein paar Schritte und heben Sie die Arme, um sicherzugehen, dass nichts verrutscht.

Nutzung: Schichten und Belüftung

Auf Tour funktioniert eine Jacke am besten im Schichtensystem. Eine dünne Baselayer aus Merinowolle oder Kunstfaser transportiert Schweiß ab, eine mittlere Schicht aus Fleece oder dünnem Primaloft speichert Wärme, und die Außenjacke schützt vor Wind und Nässe. Statt eine dicke Jacke zu kaufen, die Sie bei Anstrengung ausziehen müssen, nehmen Sie lieber zwei dünne Schichten, die Sie je nach Belastung an- und ablegen. Achten Sie auf Belüftungsmöglichkeiten: Unterarm-Reißverschlüsse oder eine Zwei-Wege-Frontöffnung lassen überschüssige Wärme entweichen, ohne die Jacke ganz ausziehen zu müssen. An Klettersteigen wechseln Sie zwischen anstrengenden Passagen und ruhigen Abschnitten. Deshalb ist diese Regulierung wichtiger als maximale Isolationsleistung.