Auf langen Bergtouren können kurze Seil- oder Kettenpassagen auch zu einem Wanderweg gehören. Entscheidend ist, ob Seile oder Ketten nur an einzelnen schwierigen Stellen beim Gehen helfen oder einen längeren Felsanstieg sichern, in dem Sie regelmäßig klettern und Klettersteigausrüstung brauchen.
Beurteilen Sie die Tour anhand ihrer Beschreibung, der Sicherungen und der nötigen Fortbewegung. Ein einzelnes Drahtseil sagt noch nicht, um welche Art von Weg es sich handelt.
Einzelne Sicherung oder durchgehendes Seil?
Auf einem anspruchsvollen Bergwanderweg können kurze, ausgesetzte Stellen mit Drahtseil oder Kette gesichert sein. Ausgesetzt heißt: Das Gelände fällt steil ab, und ein Fehltritt kann schwere Folgen haben. Seil oder Kette helfen Ihnen, eine schwierige Stelle zu Fuß zu überwinden. Auf dem übrigen Weg gehen Sie überwiegend.
Bei einem Klettersteig sind feste Hilfen meist über einen längeren Felsabschnitt angebracht. Dazu gehören Drahtseile, Leitern, Ketten oder Metalltritte. Sie erleichtern die Fortbewegung im Fels und dienen als Sicherung. Ein Klettersteigset besteht aus einem Gurt, Verbindungselementen und einem Bandfalldämpfer, der bei einem Sturz die Belastung verringert. Helm und passende Ausrüstung gehören ebenfalls zur Begehung.
Daneben gibt es versicherte Steige und Mischformen. Bei ihnen sind einzelne schwierige oder ausgesetzte Stellen mit Drahtseilen gesichert. Ein Sicherungssystem verläuft aber nicht durchgehend über den ganzen Felsanstieg. Die Begriffe und Abgrenzungen sind nicht überall einheitlich.
Die nötige Bewegung erkennen
Lesen Sie in der Tourenbeschreibung, wie Sie sich auf dem Weg fortbewegen. Wenn Sie fast überall gehen und nur an einzelnen Stellen Seile oder Ketten nutzen, spricht das eher für einen versicherten Wanderweg. Müssen Sie regelmäßig die Hände zum Festhalten einsetzen, steile Felsstufen überwinden oder Eisenklammern und Trittstifte benutzen, ist der Weg technisch anspruchsvoller. Ein langer Felsanstieg mit durchgehenden Sicherungen spricht stark für einen Klettersteig.
Auch auf schwierigen Bergwegen gibt es kurze Kletterstellen. Dass Sie dabei die Hände einsetzen, macht den Weg allein noch nicht zum Klettersteig. Entscheidend sind das Gelände, die Länge der gesicherten Abschnitte und die Art, wie Sie sich fortbewegen. Verlangt die Beschreibung ein Klettersteigset, behandeln Sie die Passage nicht wie einen normalen Wanderweg.
Wegmarkierungen richtig lesen
Die Schwierigkeitsskalen unterscheiden sich je nach Land und Wegart. Der Deutsche Alpenverein kennzeichnet Bergwege mit den Farben Blau, Rot und Schwarz; die Schweizer Wanderskala reicht von T1 bis T6. Für Klettersteige gibt es unter anderem die Skala A bis F. Die Skalen bewerten verschiedene Arten von Routen und lassen sich nicht direkt umrechnen.
Farben auf Wegweisern können je nach Region unterschiedliche Bedeutungen haben. In der Schweiz kennzeichnet Gelb Wanderwege, Weiß-Rot-Weiß kennzeichnet Bergwanderwege und Weiß-Blau-Weiß Alpinwanderwege. Rot-weiße Markierungen auf Bäumen oder Felsen sind im Alpenraum dagegen nicht automatisch eine Schwierigkeitsangabe. Prüfen Sie die Kartenlegende und die Beschilderung vor Ort, statt aus einer einzelnen Farbe auf den Anspruch zu schließen.
Bergtour vor dem Start prüfen
Eine Schwierigkeitsklasse sagt für sich allein nichts über die Länge der Tour, die nötige Zeit oder die aktuellen Verhältnisse aus. Der Deutsche Alpenverein legt seinen Klassifizierungen von Bergwegen normale, gute Verhältnisse zugrunde. Nässe, Altschnee oder beschädigte Sicherungen erschweren eine Passage deutlich.
Prüfen Sie vor dem Start die aktuelle Tourenbeschreibung und wo die gesicherte Passage liegt. Planen Sie Gehzeit und Höhenmeter ein. Prüfen Sie außerdem das Wetter und überlegen Sie, wo Sie umkehren können. Auf langen Touren verschärfen Müdigkeit und Zeitdruck die Folgen einer schwierigen Stelle. Ist die Beschreibung unklar, fragen Sie vor Ort nach. Fühlt sich eine Passage unerwartet nach Klettern an, gehen Sie nicht einfach weiter.