Trittsicherheit am Berg: Tipps für alpine Wege

Auf Bergwegen setzen Sie den nächsten Schritt oft auf losem Geröll, glatten Wurzeln oder schrägem Fels. Trittsicher gehen heißt, den Boden zu prüfen, einen festen Tritt zu suchen und das Gewicht ruhig auf den Fuß zu verlagern. Das beugt Ausrutschern vor, macht schwieriges Gelände aber nicht ungefährlich.

Üben Sie zunächst auf einfachen Wegen und wählen Sie eine Tour, die zu Ihrer Erfahrung und den aktuellen Bedingungen passt. Nässe, Altschnee und Müdigkeit erschweren den Weg. Wenn Sie unsicher werden, gehen Sie langsamer oder kehren Sie um.

So finden Sie sicheren Halt

Schauen Sie den Weg vor sich laufend ab. Planen Sie den nächsten Schritt und behalten Sie zugleich im Blick, was danach kommt. Auf festem Fels oder einem ebenen Absatz steht der Fuß meist stabiler als auf losem Schotter, feuchten Wurzeln oder feinem Geröll auf glattem Fels. Prüfen Sie lose Steine, bevor Sie Ihr Gewicht darauf verlagern: Sie können kippen oder wegrutschen.

Setzen Sie den Fuß ruhig auf und verlagern Sie Ihr Gewicht erst auf ihn, wenn Sie Halt gefunden haben. Auf schrägem Untergrund hilft es, die Sohle möglichst flächig aufzusetzen und den Körper über dem belasteten Bein zu halten. Kleine Schritte geben Ihnen mehr Kontrolle als hastiges Weitergehen. Wenn Sie auf einer steilen Querung ins Rutschen geraten könnten, suchen Sie erst einen stabilen Stand, bevor Sie den nächsten Schritt machen.

An einer felsigen Stelle, an der Sie auch die Hände brauchen, bewegen Sie jeweils nur eine Hand oder einen Fuß weiter. Die anderen drei Hände oder Füße bleiben am Fels und geben Halt. Prüfen Sie Griffe und Tritte vorsichtig. Lose Felsen sind keine verlässlichen Haltepunkte.

Schwierige Stellen richtig einschätzen

Auf einem schmalen Gratweg kommt es auf ruhige Schritte und volle Aufmerksamkeit an. Trittsicherheit betrifft den Halt auf dem Untergrund. Schwindelfreiheit heißt, dass Sie mit steilem Gelände und der Gefahr eines Absturzes neben dem Weg zurechtkommen. Auf einem ausgesetzten Grat können beide Fähigkeiten gefragt sein. Halten Sie Abstand zu anderen, damit Sie sich nicht gegenseitig bedrängen oder Steine lostreten.

Nasse Wurzeln und Steine rutschen leicht. Suchen Sie dort nach einem anderen Tritt und passen Sie Ihr Tempo an. Auf losem Geröll prüfen Sie, ob ein Stein fest liegt, bevor Sie ihn belasten. Auch mit einer Markierung oder einer Sicherung wie einem Seil oder einer Kette bleibt die Stelle bei Nässe oder Schnee schwierig. Nutzen Sie Sicherungen nur so, wie es die Situation vorsieht, und verlassen Sie sich nicht darauf, dass sie jeden Fehltritt auffangen.

Der Abstieg fordert ebenfalls Konzentration. Müdigkeit lässt Aufmerksamkeit und Koordination nach, während steile oder rutschige Passagen weiterhin präzise Schritte verlangen. Planen Sie deshalb genügend Zeit und Kraft für den Rückweg ein. Wenn Sie merken, dass Sie hastig werden oder Ihre Schritte unsauber setzen, machen Sie eine Pause.

Vor der Tour üben und planen

Üben Sie auf einfachen, unebenen Wegen oder an kleinen Felsstufen, wo ein Fehltritt nicht direkt in Absturzgelände führt. Achten Sie darauf, den Blick voraus und zugleich auf den nächsten Tritt zu richten. Einfache Gleichgewichtsübungen können die Bewegungsroutine unterstützen. Trainieren Sie Trittsicherheit nicht zum ersten Mal auf einem anspruchsvollen Grat.

Achten Sie bei der Tourenwahl auf Steilheit und Absturzgefahr. Berücksichtigen Sie außerdem die Tourlänge und ob die Tour zu Ihrer Erfahrung passt. Die Wanderskala des Schweizer Alpen-Clubs reicht von T1 bis T6. T2 setzt bereits etwas Trittsicherheit voraus, bei T3 wird gute Trittsicherheit verlangt. Diese Einstufungen beschreiben, was der Weg bei normalen Verhältnissen von Ihnen verlangt. Regen, Nässe und Altschnee erschweren den Weg zusätzlich.

Prüfen Sie vor dem Start den Wetterbericht und aktuelle Hinweise zum Wegzustand. Meiden Sie Grate und Gipfel bei Gewittergefahr. Schneefelder können hart und rutschig sein oder sich im Tagesverlauf verändern. Gehen Sie deshalb nicht davon aus, dass sie eine harmlose Abkürzung sind. Wenn Sie nicht sicher beurteilen können, ob eine Stelle begehbar ist, wählen Sie eine andere Route oder kehren Sie um.

Feste Schuhe mit griffiger Sohle gehören zur Ausrüstung für Bergwege. Wanderstöcke können beim Gleichgewicht helfen, ersetzen aber keinen sicheren Tritt und keine Einschätzung des Untergrunds. Auf hartem oder rutschigem Schnee verhindern sie ein Ausrutschen nicht zuverlässig. Planen Sie außerdem genügend Zeit für Pausen ein und nehmen Sie Essen und Trinken mit, damit Ihre Konzentration nicht unnötig nachlässt.