Bei einer mehrtägigen Bergtour hängt die Länge jeder Tagesetappe von Ihrem Gehtempo, dem Gelände und dem Wetter ab. Planen Sie jede Etappe einzeln und reservieren Sie die Unterkunft. Legen Sie außerdem eine kürzere Ausweichroute fest. So bleibt die Tour machbar, wenn Sie langsamer gehen oder das Wetter umschlägt.
Die Hinweise gelten für Bergwanderungen wie Hüttentouren. Für Gletscherquerungen und Kletterpassagen brauchen Sie zusätzliche Kenntnisse und Ausrüstung.
Tagesetappen für die Bergtour planen
Prüfen Sie für jeden Wandertag die Strecke, die Höhenmeter im Auf- und Abstieg und die Schwierigkeit des Weges. Achten Sie besonders auf ausgesetzte Stellen, also Passagen mit steilem Gelände direkt neben dem Weg, sowie auf gesicherte Abschnitte. Wegmarkierungen und Schwierigkeitsstufen zeigen nicht, wie jede einzelne Stelle beschaffen ist. Berücksichtigen Sie deshalb auch Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Erfahrung aller Mitwandernden. In einer Gruppe gibt das langsamste Mitglied das Tempo vor.
Kilometer allein sagen wenig über die Belastung aus. Steile Anstiege, schwieriger Untergrund, Höhe und Pausen verlängern die Gehzeit. Der Deutsche Alpenverein nennt als grobe Startwerte rund 300 Höhenmeter pro Stunde bergauf und 500 Höhenmeter bergab. Für überwiegend waagerechte Strecken setzt er vier Kilometer pro Stunde an. Das sind Schätzwerte, keine verlässlichen Zeiten für jede Person und jeden Weg. Planen Sie Pausen und mehr Zeit für schwierige Wegstellen ein.
Bei einer mehrtägigen Tour sammelt sich die Müdigkeit an. Planen Sie deshalb nicht jeden Tag gleich anstrengend. Ein mäßiger erster Tag und eine kürzere Etappe nach einem besonders langen Wandertag lassen mehr Spielraum. Prüfen Sie außerdem, ob Sie einen Gipfel auslassen, einen niedrigeren Übergang nehmen oder eine Etappe abkürzen können. Bei längeren Touren empfiehlt der Alpenverein als grobe Orientierung einen Puffertag pro sieben Tage.
Hütten und Anreise klären
Prüfen Sie für jede Hütte die Öffnungszeiten und reservieren Sie einen Schlafplatz, besonders für Wochenenden und Ferien. Erkundigen Sie sich direkt bei der Hütte nach den Reservierungs- und Stornobedingungen. Fragen Sie auch nach der Verpflegung und den Frühstückszeiten sowie nach Waschmöglichkeiten. Die Angebote unterscheiden sich von Hütte zu Hütte; Bargeld ist auf vielen Hütten weiterhin wichtig.
Berücksichtigen Sie auch die An- und Rückreise. Wenn Start und Ziel an verschiedenen Orten liegen, können öffentliche Verkehrsmittel die Tour erleichtern. Planen Sie die Fahrtzeiten so ein, dass Sie nicht erst spät am Nachmittag aufbrechen müssen. Erkundigen Sie sich vor der Tour, wie die Wege rund um die Hütten aktuell beschaffen sind. Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte kennen häufig die örtlichen Verhältnisse.
Wetter laufend prüfen
Prüfen Sie vor der Tour den aktuellen Bergwetterbericht. Eine Talprognose reicht für eine Route in größerer Höhe nicht aus. Prüfen Sie die Vorhersage am Vortag erneut und achten Sie unterwegs auf Veränderungen. Legen Sie für jeden Wandertag fest, wo Sie bei schlechtem Wetter absteigen oder die Route verkürzen können.
Bei angekündigten Gewittern sollten Sie früh aufbrechen. Planen Sie Gipfel und Grate so, dass Sie exponierte Stellen bei drohendem Gewitter möglichst vor Mittag hinter sich haben. Bei einer angekündigten Kaltfront mit starkem Wind und Niederschlag sollten Sie keine lange oder anspruchsvolle Tour ohne Rückzugsmöglichkeiten planen. Sinkende Temperaturen gehören ebenfalls zu dieser Wetterlage. Auch Hitze belastet, vor allem auf schattenlosen Anstiegen. Nach Starkregen oder Sturm sollten Sie lokale Hinweise zu gesperrten oder beschädigten Wegen einholen.
Ausrüstung leicht halten
Richten Sie die Packliste nach der Route und der Jahreszeit aus. Berücksichtigen Sie dabei auch die Höhe und das Wetter. Tragen Sie eingelaufene Bergwanderschuhe, die zum Gelände passen, und nehmen Sie ausreichend Getränke und Proviant mit. Regen- und Windschutz sowie eine warme Kleidungsschicht gehören auch bei guter Vorhersage ins Gepäck.
Für eine gewöhnliche Hüttentour sind außerdem sinnvoll:
- Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme
- Erste-Hilfe-Set, Blasenpflaster und persönliche Medikamente
- Handy sowie eine Karte oder eine offline gespeicherte Karte auf dem Handy
- Stirnlampe und je nach Tour ein Biwaksack als Notfallausrüstung
- Hüttenschlafsack, Wechselwäsche, kleines Waschzeug und Ohrstöpsel
- Bargeld und bequeme Kleidung für den Hüttenabend
Ein Biwaksack dient als Notfallhilfe gegen Nässe und Unterkühlung. Er ersetzt keine Ausrüstung für ein geplantes Biwak. Reduzieren Sie unnötiges Gepäck und testen Sie den gepackten Rucksack vor der Tour. Eine allgemeingültige Gewichtsgrenze gibt es nicht; entscheidend ist, dass Sie den Rucksack über die geplanten Etappen sicher tragen können.
Vor jeder Etappe neu entscheiden
Prüfen Sie morgens den Wetterbericht und den Wegzustand. Schätzen Sie außerdem ein, wie fit Sie sich fühlen. Vergleichen Sie die tatsächliche Gehzeit mit dem Plan und entscheiden Sie an passenden Punkten, ob die nächste Etappe noch sinnvoll ist. Bei Gewittergefahr oder schlechter Sicht nehmen Sie die vorher festgelegte Ausweichroute oder brechen die Tour ab. Das gilt auch bei einem gesperrten Weg und bei deutlicher Erschöpfung.