Das Grüne Band Deutschland ist der ehemalige innerdeutsche Grenzstreifen von der Ostsee bis ins bayerische Vogtland. Weil die Region während der Teilung vielerorts unberührt blieb, entstanden dort wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Heute verbindet das Band neun Bundesländer, dient als Biotopverbund und erinnert an die deutsche Teilung.
Einen durchgehend ausgebauten Fernwanderweg gibt es nicht. Wenn Sie Ihre Route gut planen und die örtlichen Schutzregeln beachten, wird die Tour zu einem respektvollen Erlebnis.
Natur und Geschichte am Grünen Band
Das Grüne Band umfasst viele verschiedene Lebensräume. Dazu zählen extensiv genutztes Offenland, Gewässer sowie Pionier-, Misch- und Nadelwälder. In intensiv genutzten Agrarlandschaften gehört es oft zu den wenigen verbliebenen naturnahen Strukturen. Das Bundesamt für Naturschutz schätzt, dass im gesamten Gebiet viele Arten leben, darunter auch seltene und geschützte Arten. Diese Schätzung gilt für das gesamte Band, nicht für jede einzelne Route. Wer eine Tour plant, sollte also nicht davon ausgehen, unterwegs zwangsläufig seltene Arten zu sehen.
Zur Natur kommt die Geschichte. Entlang der ehemaligen Grenze finden sich noch Grenzrelikte, Wachtürme und Gedenkorte. Naturschutz und Erinnerungskultur gehören hier zusammen. Das macht das Grüne Band zu einer Landschaft mit doppelter Bedeutung: Sie schützt Lebensräume und erzählt zugleich von der deutschen Teilung. Beides sollten Wandernde im Blick behalten.
Eine konkrete Route planen
Am wichtigsten ist, eine konkrete Strecke zu wählen. Ein durchgehender Fernwanderweg entlang der gesamten ehemaligen Grenze existiert nicht. Der Deutsche Wanderverband hat in einer Konzeption für Thüringen festgehalten, dass ein solcher Weg nicht realistisch wäre. Gründe sind fehlende oder schlecht angebundene Abschnitte, viele unterschiedliche Zuständigkeiten und teils schwache ÖPNV- und Versorgungsinfrastruktur. Stattdessen empfiehlt er, den Schwerpunkt auf Halb- und Tagestouren sowie ausgewählte Rundwege zu legen. Diese Einschätzung bezieht sich auf Thüringen, sie zeigt aber, wie die Situation vielerorts aussieht.
Wählen Sie eine ausgewiesene Route mit klarem Start- und Endpunkt. Prüfen Sie, wie Sie hinkommen und wieder zurück, denn nicht überall fahren Busse und Bahnen regelmäßig. Achten Sie auf die Länge und den Schwierigkeitsgrad, damit die Tour zu Ihrer Kondition passt. Der ehemalige Kolonnenweg ist nicht automatisch die passende Wanderroute. Auf erhaltenen Abschnitten ist das Gehen auf den Betonplatten oft eintönig und anstrengend. Manche Abschnitte sind zudem nicht offiziell ausgewiesen.
Lokale Regeln vor der Tour prüfen
Das Grüne Band führt durch viele Schutzgebiete mit jeweils eigenen Regeln. Was in einem Abschnitt erlaubt ist, kann im nächsten verboten sein. Mehr als 80 Prozent der Strecke sind als Nationales Naturmonument geschützt, dazu kommen Natura-2000-Gebiete und andere Schutzgebietskategorien. Diese unterschiedlichen Status bedeuten unterschiedliche Vorschriften.
Ein Beispiel: Im Nationalpark Harz gilt ein Wegegebot, Wandernde dürfen die markierten Wege nicht verlassen. Im gesamten Nationalpark sind Hunde ganzjährig an der Leine zu führen. Diese Regeln gelten ausdrücklich für den Harz, nicht für jeden Abschnitt des Grünen Bandes. Informieren Sie sich also vor jeder Tour über die aktuellen Hinweise zu Ihrer Strecke. Achten Sie auf Ausschilderung, mögliche Wegsperrungen und Schutzgebietshinweise. Die zuständigen Stellen vor Ort, etwa Nationalparkverwaltungen oder Naturschutzbehörden, geben verlässliche Auskunft.
Unterwegs Rücksicht nehmen
Beachten Sie unterwegs ein paar Grundregeln, damit die Landschaft ihren Wert behält. Bleiben Sie auf den ausgeschilderten Wegen. Das Grüne Band ist Rückzugsraum für Tiere, die empfindlich auf Störungen reagieren. Schon das Verlassen des Weges kann Nistplätze oder seltene Pflanzen beeinträchtigen. Beobachten Sie Tiere ruhig und mit Abstand. Freilaufende Hunde beunruhigen Wildtiere besonders in der Brut- und Aufzuchtzeit. Führen Sie Ihren Hund daher nach der örtlichen Regelung.
Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit und entnehmen Sie nichts aus der Natur. Pflanzen, Steine oder andere Fundstücke gehören nicht ins Gepäck. Das gilt auch für Grenzrelikte. Wachtürme, Grenzsteine und andere Zeitzeugen sind Teil der Erinnerungslandschaft, verändern Sie sie nicht und nehmen Sie nichts als Souvenir mit. Achten Sie vor Ort auf Informationstafeln und Hinweise von Gedenkstätten. Sie erklären die Geschichte des jeweiligen Abschnitts und geben oft auch Verhaltenstipps.