Die Wettervorhersage für Ihre Bergtour sagt Regen, Wind oder Gewitter. Ob Sie starten können, entscheidet nicht die Prognose allein, sondern ob Wetter, Gelände, Gruppe, Zeitplan und Ausrüstung zusammenpassen. Regen auf einem kurzen, einfachen Waldweg ist beherrschbar, dasselbe Wetter kann eine ausgesetzte Gratwanderung unsicher machen, bei der es neben dem Weg steil abfällt.
Der Deutsche Alpenverein (DAV) empfiehlt, die Wetterentwicklung für die geplante Höhenlage zu prüfen und die Route danach zu bewerten, statt ohne Prüfung zu starten oder abzusagen.
Was die Prognose für Ihre Tour bedeutet
Eine Vorhersage für den Ort im Tal reicht für eine Bergtour nicht aus. Prüfen Sie, was die Prognose für die Höhenlage und die ausgesetzten Abschnitte Ihrer Route sagt. Temperatur, Windstärke und Niederschlagsmenge können in der Höhe deutlich anders sein als im Tal. Der DAV weist darauf hin, dass das Wetter lokal stark von der regionalen Vorhersage abweichen kann, selbst wenn Sie eine spezielle Bergwettervorhersage nutzen.
Stellen Sie sich drei Fragen, bevor Sie die Tour planen. Erstens: Was kommt genau? Anhaltender Landregen ist etwas anderes als einzelne Schauer, und ein Gewitter am Nachmittag erfordert andere Vorsichtsmaßnahmen als Nieselregen am Vormittag. Zweitens: Wann trifft die Verschlechterung ein, und wo werden Sie zu diesem Zeitpunkt sein? Wenn die Kaltfront eintrifft, während Sie auf einem ausgesetzten Grat stehen, ist das ein anderes Risiko, als wenn Sie dann schon im Abstieg sind. Drittens: Stimmen mehrere seriöse Quellen überein? Vergleichen Sie die Prognose verschiedener Wetterdienste und schauen Sie sich Radar- oder Satellitenbilder an.
Seit Mai 2026 gibt der DAV in seinem regionalen Alpen-Bergwetter die Gewitterwahrscheinlichkeit in vier Stufen an: bis 15 Prozent, bis 30 Prozent, bis 60 Prozent und über 60 Prozent. Diese Werte sind keine festen Grenzwerte dafür, ob eine Tour sicher ist. Auch bei niedriger Wahrscheinlichkeit können starke Gewitter auftreten, weil sie lokal entstehen und sich nur schwer genau vorhersagen lassen.
Wie das Wetter die Route verändert
Nasse Wurzeln, Steine und Wiesenhänge sind die typischen Rutschstellen beim Wandern, dazu kommen glatte Felsplatten. In der Unfallstatistik des DAV machen Stolpern, Umknicken und Ausrutschen 46 Prozent der gemeldeten Bergunfälle aus. Bei Regen steigt diese Gefahr spürbar, besonders auf steilen Abstiegen und ausgesetzten Passagen. Prüfen Sie deshalb, ob Ihre Route Abschnitte enthält, die bei Nässe kritisch werden: Drahtseilpassagen, schmale Grate, steile Wiesen oder Bachquerungen.
Bei Nebel oder Starkregen sind Wegmarkierungen schwerer zu finden, und die Orientierung braucht mehr Zeit und Konzentration. Nach starkem Regen können außerdem Wege, Brücken und Bachübergänge beschädigt sein, auch wenn die Tour selbst nicht direkt im Unwetter liegt. Lokale Auskünfte von Hüttenwirten oder der Bergwacht sind dann oft wertvoller als jede Prognose.
Fragen Sie sich, ob es auf Ihrer Route mehrere sichere Ausstiege gibt oder ob lange Abschnitte ohne Rückzugsmöglichkeit liegen. Eine Tour, die nur an einer Stelle abgebrochen werden kann, ist bei unsicherer Wetterlage riskanter als eine Route mit mehreren Alternativen. Planen Sie vorab, wo Sie im Notfall Schutz finden, etwa in einer Hütte oder unter einem Felsvorsprung.
Gruppe, Zeit und Ausrüstung realistisch einschätzen
Die schlechteste Wetterprognose ist nicht das einzige Kriterium. Entscheidend ist, ob alle mitgehenden Personen die Strecke bei Nässe, Wind und eingeschränkter Sicht bewältigen können. Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung zählen mehr als die reine Gehzeit bei gutem Wetter. Der DAV empfiehlt, Können und Verfassung der ganzen Gruppe zusammen zu betrachten, nicht nur die Anforderungen der Tour. Wenn Kinder, ältere Personen oder weniger erfahrene Wanderer dabei sind, müssen Sie mit langsameren Zeiten und mehr Pausen rechnen.
Auch der Zeitplan braucht Puffer. Bei Regen und rutschigem Untergrund sind Sie oft deutlich langsamer unterwegs, und im Nebel dauert die Navigation zusätzlich Zeit. Rechnen Sie großzügig und stellen Sie sicher, dass Sie vor Einbruch der Dunkelheit zurück sind. Wer erst am späten Vormittag startet und eine lange Tour plant, hat bei schlechtem Wetter weniger Spielraum für unerwartete Verzögerungen.
Die Ausrüstung entscheidet mit, ob eine Tour bei Regen vertretbar ist. Dazu gehören Regenjacke und Regenhose, trockene Wechselkleidung und je nach Höhenlage Mütze und Handschuhe. Nässe zusammen mit Wind kann auch bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt zur Auskühlung führen. Packen Sie Karte oder ein Navigationsgerät mit vollem Akku ein und teilen Sie einer Person zu Hause Route und voraussichtliche Rückkehrzeit mit. Wasserdicht verpackte Ersatzkleidung gehört in jeden Rucksack, wenn Regen angekündigt ist.
Entscheidungshilfe: Starten, ändern oder verschieben
Eine Tour ist vertretbar, wenn die erwarteten Bedingungen zu Gelände, Können und Ausrüstung passen und die Gruppe unterwegs flexibel reagieren kann. Bei Regen prüfen Sie, ob der Weg bei Nässe sicher begehbar ist. Wenn Gewitter möglich sind, sollten Sie früh losgehen und das Wetter ständig beobachten. Legen Sie außerdem vorher fest, wo Sie aussteigen können. Der DAV hält Touren bei mäßiger oder erhöhter Gewitterneigung für möglich, wenn Sie vorsichtig planen und geeignete Rückzugswege einplanen.
Eine kürzere oder geänderte Route ist nur dann eine gute Alternative, wenn sie tatsächlich risikoärmer ist. Sie sollte niedrigere oder weniger ausgesetzte Abschnitte nutzen und rechtzeitig in Richtung eines sicheren Ausstiegs führen. Eine verkürzte Variante derselben gefährlichen Passage bringt wenig, wenn Sie die kritische Stelle trotzdem überqueren müssen. Verzichten Sie auf Gipfel oder Grat, wenn die Wetterlage unsicher ist, und wählen Sie stattdessen eine Tour mit einfacheren Rückzugsmöglichkeiten.
Für Verschieben oder Absagen sprechen klare Kriterien. Wenn eine Kaltfront oder deutliche Wetterverschlechterung auf eine lange, anspruchsvolle Route ohne Rückzugsmöglichkeiten trifft, rät der DAV von der Tour ab. Gleiches gilt, wenn das Gewitterrisiko zeitlich mit ausgesetzten Passagen zusammenfällt und es keinen passenden Ausstieg gibt. Auch Sturm, Starkregen, Nebel oder Kälte, die die Route für Ihre Gruppe oder Ausrüstung zu anspruchsvoll machen, sind ein Grund, die Tour zu verschieben. Ein knapper Zeitplan, unsichere Gruppenmitglieder oder fehlende lokale Informationen sprechen ebenfalls dagegen.
Unterwegs neu bewerten statt stur bleiben
Die Entscheidung endet nicht am Startpunkt. Legen Sie vorab fest, wo der späteste Umkehrpunkt liegt und welche Beobachtungen den Abbruch auslösen. Wenn sich das Wetter schneller verschlechtert als vorhergesagt, ist das kein persönliches Scheitern, sondern eine normale Risikoabwägung. Der DAV beschreibt den Tourenabbruch bei ungünstigem Wetter oder veränderten Verhältnissen ausdrücklich als legitime Entscheidung.
Bei Anzeichen eines aufziehenden Gewitters verlassen Sie ausgesetzte Gipfel, Grate und Drahtseilpassagen und suchen Schutz. Warten Sie nicht ab, ob es schlimmer wird. Bei dichtem Nebel empfiehlt der DAV, anzuhalten, den Standort zu klären, das Tempo zu reduzieren und als Gruppe zusammenzubleiben. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie den richtigen Weg finden, ist Umkehren oft die schnellere und sicherere Lösung als Weitersuchen.