So muss die Outdoorjacke mit Rucksack sitzen

Beim Wandern mit Rucksack wird eine Jacke, die ohne Last gut sitzt, schnell zum Problem: Die Schulterträger drücken auf die Jacke, der Bund rutscht, und beim Greifen nach oben spannt das Material. Die Jacke muss unter dem Rucksack nicht scheuern, nicht auftragen und trotzdem volle Bewegungsfreiheit lassen. Entscheidend sind die Schulterpartie, die Länge, der Bewegungsspielraum und das Material an den Kontaktstellen.

Schulterpartie und Tragekomfort

Die Schultern sind die empfindlichste Zone, wenn Rucksack und Jacke aufeinandertreffen. Die Rucksackträger laufen genau über die Schulternaht der Jacke. Liegt die Naht zu weit vorne oder hinten, entstehen Druckstellen, die nach einigen Stunden schmerzen. Die Schulternaht sollte auf der Schulterkante aufliegen, also dort, wo der Arm in den Körper übergeht. Wenn Sie die Arme nach vorne und oben nehmen, darf die Naht nicht stark verrutschen.

Achten Sie beim Anprobieren mit Rucksack darauf, dass die Schulterpartie nicht zu eng sitzt. Der Rucksackträger bringt etwa einen Zentimeter Polsterung auf die Schulter. Eine Jacke, die ohne Rucksack perfekt anliegt, kann mit Rucksack spannen und die Bewegungsfreiheit der Arme einschränken. Gleichzeitig darf die Jacke an den Schultern nicht zu weit sein, sonst bilden sich Falten, unter denen der Rucksackträger scheuert. Ideal ist ein Schnitt, der an den Schultern etwas Spielraum lässt, aber nicht sackt.

Länge von Bund und Rücken

Die Jackenlänge hat mit Rucksack zwei Aufgaben. Vorne sollte der Bund nicht zu tief sitzen, weil der Hüftgurt des Rucksacks sonst auf dem Jackenstoff aufliegt statt auf der Hüfte. Der Hüftgurt überträgt einen großen Teil der Last auf das Becken. Liegt zwischen Gurt und Körper eine dicke Stofflage, verrutscht der Gurt und die Last wandert auf die Schultern. Eine Jacke mit verstellbarem Kordelzug am Bund lässt sich so anpassen, dass der Gurt direkt auf der Hose oder einer dünnen Schicht aufliegt.

Hinten muss die Jacke lang genug sein, damit sie beim Vorbeugen nicht über dem Rucksackgurt hochrutscht, aber nicht so lang, dass sie unter dem Rucksack bauscht. Viele Hersteller bieten Jacken mit einer leicht verlängerten Rückenpartie an, die genau für diese Kombination gedacht ist. Beim Anprobieren sollten Sie sich mit Rucksack nach vorne beugen und die Arme heben. Rutscht die Jacke dabei über den Rucksackträger oder staut sich Stoff am unteren Rücken, ist die Länge nicht passend.

Bewegungsfreiheit testen

Eine Outdoorjacke muss auch bei Bewegung gut sitzen. Beim Gehen mit Rucksack bewegen Sie die Arme ständig: beim Stockeinsatz, beim Greifen nach der Trinkflasche, beim Abstützen auf unebenem Gelände. Die Jacke muss diese Bewegungen mitmachen, ohne dass das Material spannt oder hochrutscht. Entscheidend ist der Schnitt im Rücken- und Achselbereich. Ein Raglanärmel, bei dem der Ärmel bis zum Halsansatz reicht, oder eingesetzte Bewegungsfalten im Rücken geben mehr Spielraum als ein enger, gerader Schnitt.

Testen Sie die Jacke mit Rucksack in der Umkleide: Heben Sie beide Arme über den Kopf, führen Sie die Hände vor dem Körper zusammen und drehen Sie den Oberkörper. Die Jacke darf dabei nicht am Rucksackträger ziehen oder den Stoff so straffen, dass Sie die Bewegung abbrechen müssen. Auch der Kragen sollte beim Blick nach oben und hinten nicht drücken. Ein zu hoher oder steifer Kragen stört, wenn der Kopf durch die Rucksackträger ohnehin weniger Bewegungsraum hat.

Material an den Kontaktstellen

Dort, wo die Rucksackträger und der Hüftgurt auf der Jacke aufliegen, reibt das Material bei jedem Schritt. Diese Reibung nutzt den Stoff mit der Zeit ab, besonders an den Schultern und am unteren Rücken. Eine Jacke für den Rucksackeinsatz sollte an diesen Stellen aus abriebfestem Material bestehen. Polyamid gilt unter den gängigen Outdoor-Fasern als besonders widerstandsfähig gegen Scheuern. Die Abriebfestigkeit hängt aber nicht nur von der Faser ab. Auch die Garnstärke, die Webart und die Veredelung spielen eine Rolle. Ein dicht gewebtes Polyamidgewebe hält mehr aus als ein dünnes, offenes Mesh.

Viele Hersteller verstärken gezielt nur die beanspruchten Zonen, etwa mit einem festeren Schultergewebe oder einem zusätzlichen Stoffpad am unteren Rücken. Das spart Gewicht, denn ein durchgehend schweres Material würde die Jacke unnötig schwer machen. Wenn Sie zwischen zwei Jacken wählen, prüfen Sie die Schulterpartie von innen und außen: Fühlt sich das Material dort deutlich robuster an als am Rest der Jacke, ist das ein gutes Zeichen. Weiche, dünne Stoffe an den Schultern verschleißen nach einigen Touren mit schwerem Rucksack.

Rückenlänge und Passform

Auch die Rückenlänge des Trägers beeinflusst, wie Jacke und Rucksack zusammenpassen. Die Rückenlänge wird als Abstand zwischen dem siebten Halswirbel, also dem deutlich hervortretenden Knochen am Nackenansatz, und der Oberkante des Hüftkamms gemessen. Rucksackhersteller bieten verschiedene Rückenlängen-Varianten an, etwa einen kürzeren Schnitt für Frauen, einen regulären und einen verlängerten. Diese Varianten sind jedoch nicht einheitlich genormt, sondern gelten jeweils für das eigene System des Herstellers.

Für die Jacke heißt das: Wenn Sie einen Rucksack mit langer Rückenplatte tragen, sitzt der Hüftgurt tiefer, und die Jacke muss hinten entsprechend länger sein. Bei einem kurzen Rucksackrücken liegt der Gurt höher, und eine zu lange Jacke staut sich. Messen Sie Ihre Rückenlänge einmal aus und vergleichen Sie sie mit den Angaben des Rucksackherstellers. So wissen Sie, ob Sie eher zu einer längeren oder kürzeren Jacke greifen sollten. Die Jacke müssen Sie trotzdem mit dem konkreten Rucksack anprobieren, denn die Kombination aus beiden Schnitten entscheidet.